Eine der berühmtesten Koblenzer Sehenswürdigkeiten, die vor der Bundesgartenschau 2011 grundlegend saniert wurde und seither – vor allem durch die Anbindung mit der Seilbahn – Tausende von Besuchern anlockt, ist die preußische Festung Ehrenbreitstein. Am Fuße dieser Festung liegt die ehemalige kurtrierische Residenzstadt Ehrenbreitstein, auch Dahl genannt, die im Zuge der Eingemeindungen 1937 Stadtteil von Koblenz wurde.

Ehrenbreitstein ist ein im Kern barocker Ort, der seit den 30er Jahren des 17. Jh. zur Residenz der Trierer Kurfürsten wurde.

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Glanzzeit als Residenzstadt

Von 1626 – 1629 entstand am Fuße der damaligen Burg Ehrenbreitstein das Schloss Philippsburg. Nach Philipp von Sötern, nach dem die Burg benannt wurde, wählten auch die nachfolgenden Trierer Kurfürsten Ehrenbreitbreitstein zu ihrer bevorzugten Residenz. So entstanden viele interessante Straßen, Gebäude, Kirchen und Palais, die noch heute vom ehemaligen Glanz des Hoflebens künden.

So berühmte Persönlichkeiten wie Balthasar Neumann, Johannes Seiz, Johann Wolfgang von Goethe, Sophie la Roche und Januarius Zick lebten oder wirkten hier, Ludwig van Beethovens Mutter, Maria Magdalena Keverich wuchs in der Wambachstraße auf. Wolfgang Amadeus Mozart spielte vor 250 Jahren hier am Hofe, Clemens Brentano wurde in der Hofstraße geboren. Mit dem Umzug des Hofes nach Koblenz endete die Zeit von Ehrenbreitstein als Residenzstadt, viele Hofbedienstete wanderten ab.

Der Hof zieht um nach Koblenz

Im Zuge der Französischen Revolution wurde die Festung durch die Franzosen belagert und schließlich 1801 vor dem Abzug von der rechten Rheinseite gesprengt. Dabei wurde auch Schloss Philippsburg zerstört. Ab 1802 gehörte Ehrenbreitbreitstein zu Nassau-Weilburg, wurde 1816 nach dem Einzug der Preußen Garnisonsstadt und veränderte damit grundlegend seine Strukturen.

Der Bau von neuen Verkehrswegen, und hier sind insbesondere der Straßen- und Schienenbau entlang des Rheins zu nennen, brachte einschneidende Veränderungen, machte die Stadt aber damit auch für den im 19. Jh. aufkommenden Tourismus interessant.

Ehrenbreitstein von 1945 bis heute

Dennoch – an die Zeiten als Residenzstadt reichte man nie wieder heran. Der 2. Weltkrieg hinterließ relativ wenige Spuren im Dahl, doch nach dem Krieg ging der Niedergang des mittlerweile nach Koblenz eingemeindeten Stadtteils in schnellem Tempo weiter. Zwei Bundesstraßen führten durch den Ort (B 42, B49), und durch das häufige Hochwasser verließen immer mehr Geschäftsleute und Unternehmen den Ort. Aber auch die Bewohner wanderten ab, und ihnen folgten häufig sozial schwache Familien, die die nötigen Investitionen an dem alten Baubestand nicht leisten konnten. Die Folge waren vernachlässigte und verfallende Bausubstanz.

Durch eine Petition engagierter Bürger und der Ortsring-Vereinigung Ehrenbreitsteins an den damaligen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel am 08.09.1978 wurde die Sanierung des Stadtteils in Gang gesetzt und am 20.03.1980 wurde Ehrenbreitstein offiziell zum Sanierungsgebiet erklärt.

Mittlerweile bewahrt eine Hochwasserschutzwand das Dahl vor weiteren Überflutungen und seit 2005 ist auch der Durchgangsverkehr aus dem Ort verbannt.

Ehrenbreitbreitstein kann endlich aufatmen und sieht mit den letzten Baumaßnahmen am Teichert und am nördlichen Ende der Hofstraße dem Abschluss der Sanierungsmaßnahmen entgegen. Der Stadtteil hat sich in den letzten Jahren sehr zu seinem Vorteil entwickelt, Künstler haben sich angesiedelt, ein Wochenmarkt zieht jeden Mittwoch Besucher auch von der anderen Rheinseite nach Ehrenbreitstein und Privatleute tätigen wieder Investitionen an Gebäuden und Geschäften.

Quellen:

Joachim H. Kneis: Koblenz-Ehrenbreitstein: Ein Führer durch die ehemalige Residenzstadt, Koblenz 2006
Reinhard Kallenbach, Dieter Kerber, Marianne Schwickerath: Sanierung Ehrenbreitstein, Eine Dokumentation der Stadt Koblenz, Koblenz 1999